Espresso läuft zu schnell? Ursachen erkennen und richtig einstellen

Espresso läuft zu schnell? Ursachen erkennen und richtig einstellen

Espresso läuft zu schnell? So bekommst du deinen Shot wieder unter Kontrolle!

Ein Espresso läuft innerhalb weniger Sekunden durch, wirkt hell, dünn und schmeckt vielleicht sogar unangenehm sauer?

Dann stimmt meistens nicht „etwas mit der Maschine nicht“. Viel häufiger liegt es an der Kombination aus Mahlgrad, Kaffeemenge und Zubereitung.

Gerade beim Siebträger machen schon kleine Veränderungen einen überraschend großen Unterschied. Und genau deshalb ist das Einstellen eines Espressos am Anfang oft schwieriger, als es aussieht.

In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du einen zu schnellen Espresso erkennst, welche Ursache am wahrscheinlichsten ist und welche Anpassung du als Erstes ausprobieren solltest.

Woran erkennt man einen zu schnellen Espresso?

Ein sehr schneller Espresso zeigt sich häufig schon optisch.

Typische Hinweise sind:

  • der Kaffee läuft sehr früh aus dem Siebträger,
  • der Strahl wird schnell hell und dünn,
  • der Espresso besitzt wenig Körper,
  • die Crema fällt schnell zusammen,
  • der Geschmack wirkt sauer, wässrig oder unausgewogen.

Als groben Ausgangspunkt nutzen viele Baristas bei einem doppelten Espresso beispielsweise ein Verhältnis von ungefähr 1:2.

Das bedeutet etwa:

18 g Kaffeemehl → ca. 36 g Espresso

Die Bezugszeit liegt häufig ungefähr im Bereich von 25 bis 30 Sekunden.

Diese Werte sind allerdings keine feste Regel.

Ein Espresso kann auch bei 22 oder 32 Sekunden hervorragend schmecken. Die Zeit hilft dir vor allem dabei, deine Einstellungen miteinander zu vergleichen.

Die häufigste Ursache: Der Mahlgrad ist zu grob

Wenn dein Espresso deutlich zu schnell durchläuft, solltest du zuerst den Mahlgrad überprüfen.

Ist der Kaffee zu grob gemahlen, kann das Wasser relativ leicht durch das Kaffeebett fließen.

Es entsteht weniger Widerstand.

Das Ergebnis ist häufig ein Espresso, der:

zu schnell, zu dünn und geschmacklich wenig ausgewogen ist.

 

Was kannst du tun?

Stelle deine Kaffeemühle zunächst eine kleine Stufe feiner.

Wichtig ist dabei:

Verändere nicht gleichzeitig Mahlgrad, Kaffeemenge, Temperatur und Bezugsmengen.

Sonst weißt du anschließend nicht, welche Änderung den Espresso tatsächlich verbessert hat.

Ein guter Grundsatz lautet deshalb:

Eine Veränderung – ein neuer Espresso – erneut probieren.

 

Warum schmeckt ein schneller Espresso häufig sauer?

Beim Espresso werden verschiedene Aromastoffe während der Extraktion aus dem Kaffee gelöst.

Wenn das Wasser sehr schnell durch das Kaffeebett läuft, kann die Extraktion unausgewogen sein.

Das Ergebnis wirkt dann häufig:

  • spitz,
  • sauer,
  • wenig süß,
  • dünn.

Dabei ist wichtig, zwischen angenehmer Fruchtsäure und unangenehm saurem Geschmack zu unterscheiden.

Ein hochwertiger Kaffee darf durchaus fruchtige oder lebendige Säuren besitzen.

Gerade Kaffees aus bestimmten Herkunftsregionen können beispielsweise Noten von Beeren, Zitrusfrüchten oder Steinobst zeigen.

Eine gute Säure wirkt jedoch normalerweise eingebunden und ausgewogen.

Wenn dein Espresso dagegen fast unreif, aggressiv oder leer schmeckt, lohnt sich eine Anpassung der Zubereitung.

Nicht jede Bohne verhält sich gleich

Ein Punkt wird beim Einstellen von Espressomaschinen häufig unterschätzt:

Die verwendeten Bohnen verändern die gesamte Extraktion.

Ein heller gerösteter Kaffee kann sich völlig anders verhalten als eine klassische Espressoröstung.

Auch Faktoren wie:

  • Herkunft,
  • Aufbereitung,
  • Röstgrad,
  • Alter des Kaffees

spielen eine Rolle.

Deshalb solltest du die Einstellung deiner Mühle immer auf den konkreten Kaffee abstimmen.

Wenn du die Bohnen wechselst, kann es vollkommen normal sein, dass du den Mahlgrad erneut verändern musst.

Frischer Kaffee macht einen Unterschied

Gerade beim Espresso fällt die Qualität und Frische des Kaffees besonders auf.

Kaffeebohnen verändern sich nach der Röstung kontinuierlich.

Sie geben Gase ab und reagieren mit Sauerstoff. Dadurch verändert sich mit der Zeit auch das Verhalten beim Espresso-Bezug.

Sehr alter Kaffee kann unter anderem dazu führen, dass:

  • der Espresso ungewöhnlich schnell läuft,
  • weniger Crema entsteht,
  • Aromen flacher wirken.

Deshalb empfehlen wir für Siebträger grundsätzlich, möglichst frisch gerösteten Kaffee zu verwenden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Kaffee direkt am Tag nach der Röstung zwingend am besten schmeckt.

Espresso profitiert häufig von etwas Ruhe nach der Röstung.

Der optimale Zeitraum hängt wiederum stark vom jeweiligen Kaffee und Röstprofil ab.

Espresso läuft schnell trotz feinem Mahlgrad?

Hier beginnt der Bereich, in dem Espresso etwas komplexer wird.

Wenn du bereits deutlich feiner mahlst und der Kaffee trotzdem ungewöhnlich schnell oder ungleichmäßig läuft, können weitere Faktoren beteiligt sein.

Zum Beispiel:

  • ungleichmäßige Verteilung des Kaffeemehls,
  • falsche Kaffeemenge für das verwendete Sieb,
  • ungleichmäßiges Tampen,
  • sogenanntes Channeling.

Beim Channeling sucht sich das Wasser einzelne Bereiche mit besonders geringem Widerstand.

Statt gleichmäßig durch das gesamte Kaffeebett zu fließen, entstehen bevorzugte Fließwege.

Dadurch kann ein Espresso gleichzeitig schnell und geschmacklich unausgewogen sein.

An dieser Stelle wird das reine Arbeiten mit Zeitangaben allerdings schnell ungenau.

Denn zwei Espressi können beide 27 Sekunden laufen und trotzdem völlig unterschiedlich schmecken.

Genau deshalb spielt bei der professionellen Espressozubereitung neben Zahlen vor allem die sensorische Bewertung eine große Rolle.

Muss ich stärker tampen?

Das ist eine der häufigsten Fragen beim Siebträger.

Viele versuchen einen zu schnellen Espresso dadurch zu korrigieren, dass sie beim Tampen deutlich mehr Kraft einsetzen.

Das ist meistens nicht die erste Stellschraube, die wir verändern würden.

Wichtiger ist:

gleichmäßig und gerade tampen.

Ein reproduzierbarer Ablauf ist wesentlich sinnvoller, als bei jedem Espresso mit unterschiedlicher Kraft zu arbeiten.

Wenn dein Espresso konstant zu schnell läuft, solltest du zunächst den Mahlgrad überprüfen.

Die Kaffeemenge sollte konstant bleiben

Ein weiterer häufiger Fehler:

Nach jedem misslungenen Espresso wird eine andere Menge Kaffee verwendet.

Einmal 16 Gramm.

Dann 18 Gramm.

Dann 20 Gramm.

Damit wird es extrem schwierig, herauszufinden, warum ein Espresso besser oder schlechter schmeckt.

Deshalb empfehlen wir zunächst:

eine feste Kaffeemenge wählen und beibehalten.

Beispielsweise:

18 g Kaffee

Dann veränderst du hauptsächlich den Mahlgrad, bis du dich geschmacklich dem gewünschten Ergebnis näherst.

 

Unser einfacher Ausgangspunkt

Wenn du deinen Espresso neu einstellen möchtest, kannst du zunächst mit folgendem Basisrezept beginnen:

18 g Kaffee

ca. 36 g Espresso

ungefähr 25–30 Sekunden

Läuft der Espresso deutlich zu schnell und schmeckt dünn oder unangenehm sauer?

Dann:

Mahlgrad etwas feiner einstellen.

Läuft er deutlich zu langsam?

Dann:

Mahlgrad etwas gröber einstellen.

Danach entscheidet der Geschmack.

Nicht die Stoppuhr.

 

Welcher Kaffee eignet sich für einen Siebträger?

Auch die Wahl des Kaffees macht das Einstellen deutlich einfacher oder schwieriger.

Wer gerade mit einem Siebträger beginnt, ist mit einem ausgewogenen Espresso häufig besser beraten als mit sehr hellen, stark fruchtbetonten Röstungen.

Besonders zugänglich sind Kaffees mit Geschmacksprofilen wie:

Diese Kaffees liefern häufig einen kräftigen Körper und funktionieren sehr gut als klassischer Espresso oder in Cappuccino und Flat White.

Wer später experimentieren möchte, kann sich zunehmend an fruchtigere und komplexere Kaffees herantasten.

Bei vierwall rösten wir deshalb bewusst unterschiedliche Kaffees für verschiedene Geschmäcker und Zubereitungsmethoden.

Denn am Ende sollte nicht das Rezept entscheiden, welcher Kaffee richtig ist – sondern dein Geschmack.

Wann lohnt sich ein Baristakurs?

Viele Grundlagen lassen sich zu Hause hervorragend ausprobieren.

Mahlgrad verändern, Kaffee wiegen, unterschiedliche Bohnen testen und die Bezugszeit beobachten – all das hilft enorm dabei, den eigenen Siebträger kennenzulernen.

Es gibt allerdings einen Punkt, an dem praktische Erfahrung kaum durch einen Artikel ersetzt werden kann.

Zum Beispiel wenn es darum geht:

  • Extraktionsfehler geschmacklich zu erkennen,
  • Mahlgrad schnell einzustellen,
  • Unterschiede direkt nebeneinander zu probieren,
  • Milchschaum und Espresso miteinander abzustimmen,
  • unterschiedliche Kaffees sensorisch zu vergleichen.

Genau dabei hilft ein Baristakurs.

Statt nur Rezepte auswendig zu lernen, geht es darum zu verstehen, warum ein Espresso gerade so schmeckt, wie er schmeckt.

Schnelle Fehlerdiagnose

Problem Wahrscheinlicher erster Ansatz
Espresso läuft sehr schnell Mahlgrad feiner
Espresso schmeckt dünn Mahlgrad und Kaffeemenge prüfen
Espresso schmeckt spitz/sauer Extraktion überprüfen
Espresso läuft ungleichmäßig Verteilung/Tampen prüfen
Wenig Crema Kaffeealter und Bohnen prüfen
Neuer Kaffee läuft plötzlich anders Mahlgrad neu einstellen

Fazit: Erst den Mahlgrad prüfen

Wenn dein Espresso zu schnell läuft, musst du nicht sofort an deiner Espressomaschine zweifeln.

Der häufigste erste Ansatz ist:

Mahlgrad etwas feiner einstellen.

Danach solltest du Kaffeemenge, Verteilung und Zubereitung möglichst konstant halten.

Und vor allem:

Probieren.

Denn ein guter Espresso wird nicht durch eine bestimmte Sekundenzahl definiert.

Er sollte süß, ausgewogen und angenehm im Mundgefühl sein – unabhängig davon, ob deine Stoppuhr am Ende 24 oder 29 Sekunden zeigt.

Und genau darin liegt das Spannende am Espresso: Schon kleine Veränderungen können einen Kaffee völlig anders schmecken lassen.

 

 

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